Folge 15 - Philip Keil, Pilot und Keynote Speaker

Shownotes

Inhalt der Episode

Philip Keil flog 17 Jahre als Verkehrspilot und erlebte dabei Situationen, die kaum ein Pilot je erlebt, darunter eine lebensbedrohliche Windscherung direkt nach dem Start in Ägypten, die er nur durch intensives Simulatortraining meistern konnte. Im Gespräch erklärt er, warum exzellente Vorbereitung, Teamkommunikation auf Augenhöhe und eine gesunde Fehlerkultur nicht nur im Cockpit, sondern in jedem Unternehmen entscheidend sind. Ein zentrales Thema ist Vertrauen: Auch ohne persönliche Beziehung können Crews füreinander einstehen, weil gemeinsame Standards und Strukturen als Leitplanken wirken. Besonders eindrücklich ist Philips Botschaft zum Thema Entscheidungen: Eine Fehlentscheidung ist immer besser als gar keine. Denn Nichtstun hat in jedem System langfristig die gefährlichsten Konsequenzen. Zum Abschluss gibt er einen Ausblick auf seine Keynote bei der CRM Experience am 16. und 17. Juni in Würzburg.

CRM-Experience

Neugierig geworden? Alle Details zur CRM Experience Konferenz und die Möglichkeit, dein Ticket zu sichern, findest du hier: https://crm-experience.de/

Transkript anzeigen

00:00:04: C R M Experience, der Podcast.

00:00:11: Präsentiert von snapAddy.

00:00:16: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge CRM Experience, der Podcast.

00:00:22: In den nächsten 30 Minuten möchten wir über das Thema Entscheidungen unter Druck sprechen und warum Daten allein dafür nicht ausreichen.

00:00:32: beziehungsweise Entscheidung unter Druck, wie bei mir, wenn man hier sieht, die Krokodile sitzen mehr im Nacken.

00:00:36: Heute habe ich hier dabei einen Gast, der Airline-Pilot war.

00:00:40: Mittlerweile sehr spannende Keynotes hält auch zum Thema Führung und Entscheidung.

00:00:45: Philip Keil, schön, dass du da bist.

00:00:47: Hallo Jochen, danke für die Einladung.

00:00:50: Philip, wenn du selber fliegst, also jetzt meine ich nicht im Cockpit, sondern du fliegst mit im Flugzeug.

00:00:56: Welchen Platz wählst du aus?

00:00:58: Lieber Fenster, lieber am Gang, lieber am Notausstieg?

00:01:02: Am liebsten eigentlich Notausgang, Fenster.

00:01:05: Da hast du Platz und da hast du noch halbwegs Ruhe.

00:01:09: Und das ist mein bevorzugter Platz, ja.

00:01:12: Wie fühlst du dich, wenn du selber nicht die sozusagen das Flugzeug selber steuerst, sondern als

00:01:18: Passagier drin sitzt.

00:01:19: Wenn du selber weißt, was auch vorne passieren kann oder wie die Situation im Cockpit ist, ist das für dich angenehm oder eher unangenehm?

00:01:26: Ach, ich glaube, ich bin der Entspannteste von allen da hinten drin, weil ich ja der Einzige bin, der weiß, was vorne passiert.

00:01:32: Und somit weiß ich, wie sicher Fliegen ist, wie ja.

00:01:37: wie viele Backups und Sicherheitsnetze wir haben, wie gut die Kollegen ausgebildet sind.

00:01:43: Und von daher bin ich da immer ganz entspannt.

00:01:46: Also, wenn du entspannt im Flieger sitzen kannst, bedeutet es ja für uns und auch für mich, dass es dementsprechend eigentlich auch sein sollte.

00:01:53: Weil sollte man als ehemaliger Pilot sozusagen selber auch unruhig im Flugzeug sitzen, dann wäre das, glaube ich, ein schlechtes Zeichen.

00:02:01: Absolut, wenn der Pilot unruhig wird, dann ist es kein gutes Zeichen.

00:02:07: Prima.

00:02:08: Ja, im Cockpit müssen Entscheidungen ja manchmal in Sekunden getroffen werden.

00:02:13: Was passiert da eigentlich im Kopf?

00:02:15: Oder wie bist du mit dem Druck umgegangen, schnell Entscheidungen zu treffen, Philip?

00:02:21: Das ist ein Prozess gewesen.

00:02:23: Man lernt und wächst ja bekanntlich außerhalb der Komfortzone.

00:02:28: Und deshalb trainieren Piloten ständig.

00:02:31: diese Notfälle, diese Situationen, die unerwartet kommen, für die es keine vorgefertigte Checkliste gibt,

00:02:39: Das begleitet dich dein gesamtes Berufsleben lang, also nicht nur während der Ausbildung, sondern auch alle sechs Monate gehen Piloten in den Flugsimulator und trainieren die schlimmsten Notfälle.

00:02:53: Und dann bist du einfach gut vorbereitet.

00:02:55: Und du musst auch die Situation nicht alleine lösen, sondern du hast ein Team.

00:03:02: Wir haben ein starkes Team, das auf Augenhöhe kommuniziert und auch das trainieren wir und ja, da.

00:03:11: Schauen wir einfach im Cockpit, was haben wir für einen Notfall, wie ist die Situation und was können wir jetzt tun.

00:03:21: Ich nehme an, du bist nicht Pilot geworden, weil du Spaß daran hast, schnell Entscheidungen zu treffen, sondern das muss eine andere Geschichte gewesen sein, Philip.

00:03:28: Wie bist du denn zum Fliegen gekommen?

00:03:30: Warst schon als kleiner Junge da gesetzt und hast, ey, ich möchte mal Pilot werden, wenn du die Flieger am Himmel gesehen hast?

00:03:36: Oder was hat dich dazu gebracht, diesen Beruf zu erlernen und auszuüben?

00:03:41: Also ein Kindheitstraum war es tatsächlich gar nicht.

00:03:44: Ich war ein sehr schlechter Schüler und hatte überhaupt nie einen Gedanken daran verschwendet, dass ich mal Pilot werden könnte.

00:03:49: Das war so wie, naja, ich werde jetzt mal Astronaut, weil mir nichts Besseres einfällt.

00:03:53: So einen Gedanken hast du nicht.

00:03:55: Es war eher einem Zufall geschuldet.

00:03:59: Ich habe einen Flugkapitän von der Lufthansa im Ski-Urlaub kennengelernt.

00:04:02: Der hat mir ein bisschen was von seinem Job erzählt.

00:04:04: Ich war so ein bisschen damals, so kurz vorm Abi, so ohne Kompass unterwegs.

00:04:10: Wo soll es hingehen im Leben?

00:04:12: Und dann fand ich das eigentlich sehr schön.

00:04:14: Spannend, vor allen Dingen der Lifestyle hat mir gut gefallen.

00:04:16: Also Reisen war schon immer etwas, was mich fasziniert hat.

00:04:20: Und von der Tätigkeit an sich war für mich auch schon immer klar.

00:04:23: Ich bin jetzt nicht so der Büro-Typ.

00:04:27: Muss schon irgendwie was Ausgefallenes sein.

00:04:29: Und da hat einfach der Beruf des Piloten für mich in vielerlei Hinsicht perfekt gematcht.

00:04:35: Ja, und dann habe ich mich bei der Lufthansa beworben und trotz grottenschlechtem Abitur war ich dann einer der wenigen tatsächlich, die genommen wurden und die dann die Ausbildung zum Verkehrspiloten begonnen haben.

00:04:50: Cool, sehr schön.

00:04:51: Wie lange dauert die Ausbildung?

00:04:52: Also wie lange musstest du dann dementsprechend darauf hinarbeiten, um dann tatsächlich das erste Mal eine Maschine selber lenken zu dürfen?

00:04:59: Ja, das ist tatsächlich sehr kompakt.

00:05:01: Also auch da wird von Anfang an geguckt, wir setzen Piloten unter Stress und gucken, wie die reagieren, ob die überhaupt die Resilienz mitbringen, die Belastbarkeit mitbringen.

00:05:11: Also eine Pilotenausbildung dauert kürzer als eine Bäckerlehre.

00:05:17: Das ist so ein kleiner Funfact am Rande.

00:05:19: Also nach zweieinhalb Jahren sitzt du im Cockpit.

00:05:21: Und musst halt beides beherrschen.

00:05:23: Also nicht nur die Theorie, die sehr umfangreich ist, weil sehr facettenreich, sondern auch das Fliegerische.

00:05:32: Also das ist wirklich ständig ein Block Theorie von ein paar Monaten.

00:05:36: Dann geht es wieder zum Fliegen in die Wüste von Arizona.

00:05:39: Dann kommt wieder Theorie und das ist schon auch wirklich sehr belastend.

00:05:45: Okay, auch du hast die Ausbildung eher als Belastung empfunden oder wie viel Freude ist dabei?

00:05:52: Was macht am meisten Spaß?

00:05:53: Mehr wirklich das erste Mal zu fliegen oder die Theorie zu pauken?

00:05:57: Also, wie war für dich das Gefühl?

00:05:59: Ja, es sind so einzelne Steps, ja.

00:06:01: Und du siehst halt schon, wie du ständig eine neue Hürde nimmst und wie du deinem großen Ziel näher kommst.

00:06:07: Und das ist eigentlich die größte Motivation, die du haben kannst.

00:06:11: Gleichzeitig weißt du aber auch, jeder Tag hier ist praktisch ein Checkflug, wenn man so will.

00:06:17: Oder jeder Test entscheidet darüber, erreichst du dein Ziel oder nicht.

00:06:21: Also du kannst dir keine Schwächen

00:06:24: erlauben.

00:06:26: Und somit sitzt er das Ganze schon im Nacken.

00:06:30: Und ja, also deswegen sage ich, es war schon eine Vorbereitung auf

00:06:36: Den Stress, den du teilweise dann später auch da oben am Himmel hast, wenn die Sachen so gar nicht laufen wie geplant

00:06:43: Ich finde es immer ganz witzig, wenn ich selber fliege, dann mache ich gerne den Witz bei der Landung.

00:06:49: Naja, dafür, dass er das das erste Mal macht, hat er es eigentlich ganz gut hinbekommen und schaue dann immer in die entsetzten Gesichter um mich rum.

00:06:55: Funktioniert meistens als Gag eigentlich ganz gut, zumindest für mich.

00:06:59: Wie war denn dein erster Flug?

00:07:00: Weißt du noch, was war dein erster Verkehrsflug, den du gemacht hast, Philip?

00:07:04: Von wo nach wo und wie lief's?

00:07:06: Ja, das war tatsächlich so ein Flug mit noch einem dritten Piloten im Cockpit, der dann sozusagen einspringen könnte, wenn jetzt zum Beispiel der Kapitän ausfällt oder eben auch, wenn ich sage, hey Leute, das ist mir jetzt gerade zu hoch hier.

00:07:21: Aber ich wurde am ersten Tag schon direkt auf die Probe gestellt.

00:07:25: Ich sollte direkt das Flugzeug fliegen.

00:07:27: Also so wie in deinem Gag gerade, erstes Mal im Cockpit, erstes Mal direkt hier mit Passagieren an Bord.

00:07:35: Und du sollst direkt das Flugzeug fliegen.

00:07:38: Und das war natürlich eine harte Landung.

00:07:40: Also da hast du gemerkt, okay, der hat heute seinen ersten Flug.

00:07:43: Aber hey, also das war auch so etwas, was hängen geblieben ist, die Welt dreht sich weiter danach.

00:07:48: Eine harte Landung ist

00:07:51: Überlebbar.

00:07:52: Und überlebbbare Fehler sind genau die Fehler, die wir machen sollten im Leben, weil sie uns voranbringen, weil sie uns auch die Angst vor Fehlern nehmen.

00:08:01: Und der Kapitän hat danach zu mir gesagt: Weißt du, Philip,

00:08:04: Fliegen lernst du halt nur durchs Fliegen.

00:08:06: Und das sind Worte, die sind hängen geblieben.

00:08:10: Und das ist einer auch dieser Gedanken, die ich in meinen Vorträgen und in meinen Büchern versuche weiterzugeben.

00:08:19: Wie viele Jahre saß du dann selber im Cockpit, Philip?

00:08:22: Also, wie viele Jahre bist du geflogen?

00:08:24: 17 Jahre bin ich geflogen.

00:08:26: 17 Jahre.

00:08:27: Und wie viele heikle Situationen gab es in diesen 17 Jahren?

00:08:31: Tja, definiere Heikel, ja.

00:08:33: Also, wir wurden schon öfter auf die Probe gestellt.

00:08:36: Es gibt immer wieder Situationen.

00:08:38: Da bekommen oft die Passagiere gar nichts davon mit.

00:08:40: Das ist dann immer das Zeichen, dass wir einen guten Job vorne gemacht haben.

00:08:44: wenn hinten niemand mitbekommt, dass wir da vorne gerade richtig zu tun haben.

00:08:48: Aber also so wie sich das viele vorstellen, also Fliegen ist unfassbar sicher, das muss man wirklich dazu sagen.

00:08:55: Jede Sekunde landet weltweit irgendwo ein Passagierflugzeug, sogar in den Regionen der Welt, wo wir wirklich nicht einsteigen würden.

00:09:04: Und ich glaube, da sind wir uns einig, so in der, in der in den entwickelten Ländern, Passagierflugzeuge, wie oft hört man noch, dass da was passiert?

00:09:12: So gut wie gar nicht mehr.

00:09:14: Und ich glaube, das gibt uns schon ein Gefühl dafür.

00:09:17: Aber ich sage auch ganz klar, Fliegen ist nicht irgendwie Autopilot an oder hier, dafür gibt es die Checkliste.

00:09:25: Und jetzt machen wir das, sondern fliegen bedeutet auch, wenn gar nichts nach Plan läuft, wir müssen situativ unter Zeitdruck schwierige Entscheidungen treffen und

00:09:38: werden auch fliegerisch manchmal echt auf die Probe gestellt.

00:09:41: Ja, das kommt regelmäßig vor.

00:09:44: Okay.

00:09:45: Kannst du uns ein Beispiel geben?

00:09:47: Was sind denn diese Situationen, die da vorkommen?

00:09:49: Ich meine, man hat am Anfang ja immer diese Checkliste, die abgearbeitet wird, ja, Druck.

00:09:53: Abfall in der Kabine, dann bitte hier runter.

00:09:56: Und ich habe mich lustigerweise auf dem Flug nach Wien neulich mit einer Stewardess.

00:10:01: Ein bisschen länger unterhalten.

00:10:02: Die Ausbildung ist übrigens viel kürzer, die dauert nur sechs Wochen, hat sie gesagt.

00:10:06: Und darf dann auch durch die Gegend fliegen.

00:10:09: Ich meine, klar, vielleicht auch spannend.

00:10:11: Zumindest der Lifestyle ist der gleiche, Philipp.

00:10:13: Man ist auch viel unterwegs.

00:10:15: Aber sie meinte eben auch, bei einem Druckabfall muss man halt ganz, ganz schnell schauen, dass man an Höhe verliert, weil sonst der Mensch das auch nicht lange aushält und so.

00:10:23: Also musstest du solche Situationen erleben im Flugzeug oder nicht?

00:10:27: Oder was war so das

00:10:28: Das schlimmste Worst Case, wo du sagst, was zusammenkam.

00:10:31: Also ein Druckabfall jetzt nicht, aber das, was mir passiert ist, 2009.

00:10:38: Direkt nach dem Start in Ägypten wurde unser Flugzeug erfasst von einer sogenannten Windscherung.

00:10:46: Windscherung kann man sich so vorstellen, ein urplötzlicher, radikaler Wechsel in der Windrichtung.

00:10:53: Wir starten ja immer gegen den Wind.

00:10:55: Weil dann haben wir diesen Luftstrom über den Tragflächen.

00:10:58: Das erzeugt den Auftrieb an den Tragflächen.

00:11:01: So, und plötzlich, direkt nach dem Start, 150 Meter über Grund, dreht dieser Wind auf Rückenwind.

00:11:09: Und damit hat ein Flugzeug eine Aerodynamik wie ein Klavier.

00:11:13: Das heißt, du befindest dich von jetzt auf gleich im freien Fall.

00:11:17: Und das sind solche Szenarien, die wir im Flugsimulator regelmäßig trainieren.

00:11:24: Denn das ist auch eine der wenigen Szenarien, wo du eben keine Zeit hast.

00:11:29: bewusst eine Entscheidung zu treffen, da musst du funktionieren.

00:11:34: Und das ist eine der wenigen Situationen, wo auch wirklich kein Platz für Fehler ist.

00:11:39: Wenn du da einen Fehler machst, dann war es das an der Stelle.

00:11:43: Und ich sag mal, solche Sachen kann man trainieren.

00:11:47: Die meisten anderen Sachen.

00:11:48: Da haben wir Zeit und da kann man auch mal einen Fehler machen.

00:11:52: Hauptsache, Fehler schnell erkennen, korrigieren.

00:11:56: Und was ist in Ägypten dann passiert?

00:11:58: Ich habe eben dieses Flugmanöver aus dem Simulator abrufen können.

00:12:02: Die Trainings sind verdammt gut bei uns.

00:12:04: Ich habe die Nase nach unten genommen.

00:12:07: Bin in so einen kurzen Sturzflug gegangen.

00:12:10: Denn nur

00:12:11: In dieser Position, Nase nach unten, hast du überhaupt wieder die Chance, dass Luft von vorne an die Tragflächen kommt.

00:12:19: Und genauso war es dann auch wirklich direkt, also vor den Sanddünen.

00:12:26: der Wüste habe ich gemerkt, jetzt greift der Auftrieb wieder, hab die Maschine wieder hochgezogen und konnte dann somit dann wirklich in letzter Sekunde

00:12:36: Abfangen und das ist natürlich extrem.

00:12:39: Die meisten Piloten erleben ihr gesamtes Berufsleben nicht einmal, auch nur annähernd so eine Situation.

00:12:46: Aber ja.

00:12:47: Mir ist das passiert, der absolute Ernstfall ist eingetreten und hat mir dann auch erst vor Augen geführt, wie verdammt gut unsere Trainings sind, denn

00:12:57: Ich war der fliegende Pilot, obwohl ich da noch nicht viel Flugerfahrung hatte.

00:13:01: Junger Co-Pilot und habe trotzdem die Situation gemeistert.

00:13:05: Und ich glaube.

00:13:06: .

00:13:06: Ja, das zeigt schon, dass wir einfach im Cockpit da nichts dem Zufall überlassen.

00:13:13: Und vieles von dem, was wir tun,

00:13:16: Eben nicht nur etwas mit dem Fliegen zu tun hat, sondern mit Soft Skills, die du in deinem Unternehmen auch jeden Tag brauchst.

00:13:25: Wie führen wir, wie arbeiten wir zusammen, wie entscheiden wir?

00:13:29: Und so kam dann eben auch die Idee zu sagen, ich schreibe Bücher, produziere Hörbücher und halte Vorträge zu diesen Themen.

00:13:38: Ja, ist sehr interessant.

00:13:40: Was würdest du denn sagen, was ist in einem Unternehmen dann im Vergleich auch zum Pilotsein?

00:13:46: im Alltag wichtig.

00:13:47: Also wie kann ich diese Soft Skills erlernen?

00:13:49: Wie kann ich auch das in Extremsituationen lernen, richtig mich zu verhalten?

00:13:54: Was wären deine Tipps dafür?

00:13:57: Naja, also wir sollten mehr Bewusstsein auf den Faktor Mensch generell legen.

00:14:01: Als Pilot bist du Führungskraft über den Wolken, du bist Teamplayer über den Wolken.

00:14:07: Wir überlassen da nichts dem Zufall, wir bereiten uns vor auf Notfälle.

00:14:11: Auch das gehört dazu, gute Vorbereitung.

00:14:14: Also nicht irgendwie blind in eine Krise schlittern, wo im Nachhinein jeder gesagt hat, naja, war eigentlich nur eine Frage der Zeit.

00:14:22: Oder warum haben wir uns da eigentlich nie Gedanken gemacht drüber?

00:14:27: Führung muss vieles vorleben, gerade auch im Bereich Fehlerkultur.

00:14:32: Der Kapitän gibt regelmäßig das Steuer ab, damit eben nicht er alleine nur Entscheidungen trifft und Ahnung von dem hat, was er da macht.

00:14:43: sondern eben eine Crew hat, ein Team hat, das auf Augenhöhe kommuniziert, welche Rolle spielt Vertrauen in einem Unternehmen,

00:14:52: Das sind alles so Impulse, die ich gebe, wo man sagt, okay, das kannst du auf jeden Lebensbereich übertragen.

00:15:00: Und das beginnt eben beim Thema Vertrauen.

00:15:03: Und einer Führungskraft, die ihrem Team zeigt, hey, wir schaffen das zusammen, wir sind ein Team und

00:15:11: Wir haben ein gemeinsames Ziel und wir treffen gemeinsam die Entscheidungen.

00:15:16: Das ist mit Sicherheit ein erster wichtiger Schritt.

00:15:19: Wie hast du es denn geschafft, Philipp, immer Vertrauen zu haben in dein Team und in deine Crew?

00:15:24: Das ist ja ein sehr interessantes Thema, weil jemandem zu vertrauen kann, Vertrauen kann aufgebaut werden über eine gewisse Zeit, wenn ich mit jemandem langfristig zusammenarbeite.

00:15:33: Vertrauen kann auch aufgebaut werden über eine gewisse Kompetenz von jemandem, wo man sieht, dass er sich richtig verhält in verschiedenen Situationen.

00:15:41: Aber bist du jemand, der gut vertrauen kann anderen Personen und wie machst du das?

00:15:47: Oder?

00:15:48: Wie gehst du damit um?

00:15:50: Also im Kontext Luftfahrt muss ich sagen, fällt es mir deswegen leicht, weil ich eben auch weiß, selbst wenn ich die Kollegen noch nicht mal kenne, oft werden wir neu zusammengewürfelt und

00:16:02: Da ist es nicht immer so ganz einfach, aber ich weiß, die sind durch dieselbe, verdammt harte Ausbildung gegangen wie ich.

00:16:08: Die durchlaufen regelmäßig dieselben harten Checkflüge und Tests wie ich.

00:16:14: Und wir haben auch so etwas vergleichbar mit Unternehmen mit Wertekompass.

00:16:21: Wir haben unsere Procedures.

00:16:23: Wir haben unsere Strukturen, unsere Routinen, unsere Vorbereitungsmuster.

00:16:29: Das heißt, wir müssen Fliegen nicht jeden Tag neu erfinden.

00:16:32: Es ist wie Leitplanken.

00:16:34: Und auf diese Leitplanken kannst du dich berufen und innerhalb dieser Leitplanken musst du einen Weg finden, diesen Flug sicher zu gestalten mit deinem Team.

00:16:44: Und

00:16:45: Auch das ist ein Prozess, das lernst du nicht von heute auf morgen, sondern hunderte, tausende Flüge helfen, um Vertrauen aufzubauen.

00:16:57: Und ja, das

00:17:00: Das ist etwas, wo ich sage, ich weiß dann doch, mit wem ich zusammenarbeite, auch wenn ich die Menschen nicht persönlich kenne.

00:17:09: Mhm.

00:17:10: Jetzt sagst du ja schon eigentlich auch, Erfahrung und Vertrauen gewinnt man auch über die Zeit, weil Fliegen lernt man durchs Fliegen, Autofahren nur durchs Autofahren, umso öfter ich das mache, umso besser kann ich es.

00:17:21: Wie gehst du selber in der Situation mit um, wenn du jetzt neben einem

00:17:24: Flugneuling sitzen würdest, der das erste Mal fliegt und du sitzt daneben.

00:17:27: Wie kannst du ihm vertrauen?

00:17:29: Ja, ich meine, der Kapitän geht ja nicht nach hinten und holt sich einen Kaffee und lässt den armen Kopiloten alleine, ja, mit seinem Schicksal.

00:17:36: So funktioniert es ja nicht.

00:17:38: Es ist ja auch kein blindes Vertrauen, über das wir hier sprechen.

00:17:40: Sondern wir passen aufeinander auf.

00:17:42: Und wenn das ein junger Kollege ist, der noch nicht viel Erfahrung hat, ja, dann passe ich besonders auf ihn auf.

00:17:48: Das heißt aber nicht

00:17:49: Dass ich dann bin wie so ein schlechter Beifahrer, der ständig reinquatscht oder ständig reingreift, sondern der dann eben bewusst auch den Raum lässt.

00:17:57: Dass der Kollege seine Erfahrungen sammelt, dass er seine Fehler macht.

00:18:01: Denn nochmal, und das sage ich bewusst auch als Pilot, ich glaube, im Unternehmens-Cockpit gilt das erst recht.

00:18:08: Das meiste von dem, was da so passiert, rückblickend betrachtet, da sagen wir, hey, oder ist jetzt nicht so der Rede wert?

00:18:16: Also das bringt jetzt kein Flugzeug zum Absturz.

00:18:19: Und rückblickend sind es eben genau diese harten Landungen, die hängen bleiben, die du nicht vergisst, wo du reflektierst, wo du wirklich was lernst.

00:18:28: Und genau diesen Raum zum Lernen sollten wir jedem geben.

00:18:33: Und als Kapitän kannst du dann deine Erfahrung am besten einbringen.

00:18:38: Wenn du eben das Steuer abgibst und vielleicht so in die Rolle des Mentors wechselst, ja, Mentor sein für diese Nachwuchsführungskraft, die eben erst in diese Rolle hineinwachsen muss.

00:18:52: Kommen wir zu einer Kategorie dieses Podcasts, Philip, und die Kategorie, die heißt wieder was gelernt.

00:18:58: Was verbirgt sich dahinter?

00:18:59: Hier erklären wir immer einen Begriff, den jeder kennt, aber kaum jemand genau definiert bzw.

00:19:05: hinterfragt.

00:19:06: Und heute geht es um den Begriff Risiko.

00:19:09: Was ist Risiko für dich und wie definierst du den Begriff?

00:19:14: Tja, Risiko ist, wenn ich einen

00:19:19: ein Wagnis eingehe, Mut dafür aufwenden muss, ohne zu wissen, wie das Ergebnis sein wird, und wohlwissend, dass wenn das Ergebnis nicht den Wünschen entspricht,

00:19:34: Dass es dann zu einem gewissen Schaden kommt.

00:19:39: Das wäre jetzt mal für mich die Definition

00:19:42: Von Risiko und ich habe gerade darüber gesprochen, wie unfassbar sicher Fliegen ist, aber nichts im Leben.

00:19:51: Auch das Fliegen.

00:19:52: Für nichts gibt es die hundertprozentige Sicherheit.

00:19:56: Und damit müssen wir uns in allem, was wir tun.

00:20:00: Mit Risiken auseinandersetzen und es akzeptieren, dass das Leben mit Risiken behaftet ist.

00:20:09: Ja, also ich meine, Risiko bedeutet am Ende ja auch die Möglichkeit, dass man eine Entscheidung, die man trifft, anders läuft, als man es erwartet hat und dadurch ein Schaden dann entsteht.

00:20:21: Oder ein erhoffter Vorteil ausbleibt, zum Beispiel im negativen Sinne.

00:20:25: Und was ich ganz spannend finde, weil du auch gerade darauf eingegangen bist

00:20:28: Eine Sache, die bei mir auch hängengeblieben ist, ich lese normalerweise keine Bücher von Sebastian Fitzek, aber ein Buch, das ich gelesen habe, war Fische, die auf Bäume klettern können.

00:20:39: Also, das ist ein Buch, das ist kein Thriller, das hat er an seine Kinder gerichtet.

00:20:43: Und da ging es darum, er wollte ihnen quasi so viel mitgeben und meint, vielleicht schaffe ich das nicht alles im Leben, euch zu sagen, deswegen schreibe ich es auf

00:20:51: Und ein spannender Punkt, den er da reingeschrieben hat, war, wenn ihr irgendwas überlegt im Leben, was zu tun oder in irgendeine Richtung, dann ist eine der wichtigsten Fragen, die ihr euch immer stellen müsst.

00:21:02: Schadet es jemand.

00:21:03: Also kommt jemand zu Tode, wenn du sozusagen jetzt diese Entscheidung triffst oder wenn du in diese Richtung gehst und

00:21:09: Immer wenn man sagen kann, nee, eigentlich nicht, dann ist es vielleicht ein Risiko, was man eingehen kann in seinem Leben.

00:21:15: Immer dann, wenn man sagt, okay, es entsteht wirklich ein Schaden bei Menschen oder bei Personen, dann sollte man genau darüber nachdenken, ob man das tun kann oder nicht.

00:21:23: Starker Gedanke.

00:21:24: Ich glaube, es ist so, man müsste definitiv auch hier teilweise mehr Risiko wieder wagen.

00:21:33: Also ich habe manchmal das Gefühl, wir

00:21:35: Ich will es nicht verallgemeinen, aber wir Deutschen stecken manchmal in so einer Mentalität, dass wir zu wenig Risiko eingehen, dass viele eigentlich eher immer in ganz gewohnten Fahrwassern unterwegs sind, dass sich schwer tun, neue Dinge.

00:21:47: auf sich einzulassen, vorauszugehen und vielleicht würde uns dieser Mut manchmal auch ein bisschen Risiko einzugehen, ganz gut gut stehen oder guttun.

00:21:57: Absolut.

00:21:58: Das ist auch eine Botschaft, die ich ganz bewusst als Pilot an die Menschen richte, weil wir immer denken, da oben, da darf kein Fehler passieren.

00:22:08: Oder da muss jede Entscheidung sitzen.

00:22:13: Piloten sind Menschen und Menschen machen Fehler, gerade unter Stress.

00:22:18: Das ist so.

00:22:19: Aber das Gefährlichste, was da oben passieren kann, sind Menschen, die nichts tun.

00:22:24: Eine Fehlentscheidung ist am Ende immer besser als gar keine Entscheidung.

00:22:31: Denn keine Entscheidung hat ja auch eine Konsequenz.

00:22:37: Und ich meine, bei allem, was wir tun,

00:22:39: Kurzfristig ist Nichtstun, hat vielleicht keine katastrophalen Auswirkungen, aber langfristig wird es immer dazu führen.

00:22:48: Stillstand, es verändert sich nichts und wir leben in einer Welt, wo wir ständig bewusst etwas tun müssen, handeln müssen, Entscheidungen treffen müssen, Weichen stellen müssen.

00:23:01: Aus der Luftfahrt zeigt sich, wenn mal was passiert ist, in diesen seltenen Fällen, in den letzten Jahrzehnten,

00:23:09: Dann war es eben nicht die eine Fehlentscheidung.

00:23:12: Die kannst du korrigieren, du kannst zumindest daraus lernen und kannst schauen, dass dann es wieder zum Besseren sich wendet.

00:23:22: Sondern es war das Fehlen einer Entscheidung, weil eben nichts getan wird, weil Fehler nicht angesprochen wurden, weil Entscheidungen nicht getroffen wurden.

00:23:31: Und das ist die Botschaft.

00:23:35: Die, glaube ich, wichtig ist für alles, was wir tun im Leben.

00:23:41: Wir fragen uns immer, was könnte passieren, wenn

00:23:45: Das jetzt schief geht.

00:23:47: Aber die Frage, die wir uns nie stellen: Was passiert eigentlich, wenn wir nichts tun?

00:23:52: Hat das nicht auch Konsequenzen?

00:23:55: Absolut.

00:23:56: Ich glaube, nichtstun ist in vielen Fällen schlimmer als eben etwas zu tun und voranzugehen.

00:24:04: Philip, in diesen 17 Jahren oder wo du dann Pilot warst, was war denn das Schönste, was du erlebt hast?

00:24:09: Wir haben jetzt viel über Risiken, über Katastrophen, über.

00:24:12: Sachen, wo du quasi in der Luft vom Himmel gefallen bist, gesprochen.

00:24:17: Aber was waren denn die schönsten Momente?

00:24:19: Also, was würdest du, wenn du zurückblickst, sagen, was waren denn die Highlights?

00:24:24: Ja, also einfach diese Freiheit zu spüren da oben.

00:24:30: Besondere Anflüge an besonderen Orten.

00:24:35: dann vielleicht dort mal wirklich auch auszusteigen, das Land kennenzulernen.

00:24:41: So dieser ganze, wirklich dieser Lifestyle, der dahinter steht, muss ich sagen.

00:24:46: Und aber auch gewisse Dinge zu schaffen, die man sich vorgenommen hat, wirklich Pilot zu sein, diese Ausbildung geschafft zu haben, diese Einstellungstests geschafft zu haben, dass man alles so besondere

00:25:00: Erfolgsmomente, wo ich gesagt habe, da kannst du wirklich stolz sein und das hat dich als Mensch geprägt und gut, dass du dich das damals getraut hast, dass du den Mut hattest.

00:25:13: zu sagen, hey, trotz schlechtem Abitur, besser du probierst es und es geht schief, als du stellst dir später immer die Frage, was wäre gewesen, wenn.

00:25:24: Und ja, diese vielen schönen Momente, die ich dann erleben durfte über den Wolken.

00:25:29: Ich glaube, das war dann ein Stück weit auch der Lohn für alles, was ich in diesen Weg investiert habe.

00:25:35: Sehr schön.

00:25:36: Das ist, glaube ich.

00:25:38: Ein perfekter Rahmen für das Ganze.

00:25:39: Und es zeigt da nochmal mit auf, und übrigens, diese Gemeinsamkeit, die teilen wir uns, Philip.

00:25:44: Mein Abitur war auch keine Glanzleistung.

00:25:47: Ähm, tatsächlich.

00:25:48: Und ich bin damals habe ich mich auch auf ein duales Studium dann beworben, obwohl es immer hieß: es gibt man nur mit Bestnoten.

00:25:54: Und ich habe es trotzdem geschafft, damals ein duales Studium zu bekommen und dann auch meinen Lebensweg ganz gut gemeistert als Unternehmer.

00:26:01: Schule ist nur ein kleiner Teil des Lebens.

00:26:03: Ich glaube, was wirklich kommt damit, will ich jetzt nicht sagen, man muss in der Schule nicht gut sein, aber

00:26:09: Was danach kommt und wie man sich da verhält und auch wie man mit Menschen umgeht, das ist, glaube ich, der Part, der viel wichtiger ist und viel mehr prägt dann für das ganze Leben und für das Menschsein.

00:26:20: Das kann ich zu 100% unterschreiben.

00:26:22: Philip, ich freue mich schon sehr.

00:26:24: Du wirst dabei sein auf unserer CRM Experience dieses Jahr.

00:26:27: Du wirst die Keynote halten am Abend vor dem

00:26:30: Vor dem großen Barbecue.

00:26:31: Das heißt, wir freuen uns schon sehr darauf, dass du, dass du kommst, dass du berichtest, dass du uns einfach mal mitnimmst, auch nochmal, wie wir es jetzt gemacht haben in der letzten halben Stunde.

00:26:41: Ein bisschen durch deine Karriere und was waren die Dinge, die dich geprägt haben, die spannend waren in diesen 17 Jahren als Pilot und die du uns auch mitgeben kannst.

00:26:50: Und ich glaube, ich kann nur für die Zuhörer sprechen, dass das sehr interessant wird und auch sehr unterhaltsam.

00:26:55: Und freue mich, dass wir uns dann da auch mal persönlich kennenlernen.

00:26:58: Bisher haben wir es immer nur virtuell geschafft und wünsche dir jetzt erstmal noch eine angenehme

00:27:03: Restwoche Philip.

00:27:05: Dankeschön, Jochen.

00:27:06: Danke, dass du dir die Zeit genommen hast.

00:27:07: Es war mir eine große Ehre.

00:27:09: Bis dann.

00:27:10: Dir hat der Podcast gefallen?

00:27:13: Dann ist unsere Konferenz, die CRM Experience, genau die richtige Veranstaltung für dich.

00:27:18: Buche dir jetzt online dein Ticket unter www.

00:27:21: carm-experience.

00:27:24: de.

00:27:25: Wenn du möchtest, dass wir mehr Folgen produzieren, dann gib uns doch bitte eine 5-Sterne-Bewertung auf Spotify.

00:27:31: Wir freuen uns sehr darüber.

00:27:34: Dieser Podcast ist eine Produktion der snapADDY GmbH und neue Folgen erscheinen innerhalb einer Staffel immer montags.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.